
Systematisch Versorgungsengpässe meistern
Was die Fehlteilsituation und gute Jahresvorsätze gemeinsam haben
Und, noch am Joggen? Der Jahreswechsel liegt jetzt schon wieder 4 Wochen zurück und die guten Vorsätze erscheinen einem wie eine Forderung einer dritten Person, die Sie gar nicht kennen. Das Dumme dabei ist, dass sich die bisherigen Anstrengungen, die Sie mit Ihren 3, na vielleicht 4 Waldläufen unternommen haben, noch gar nicht an Ihrem Bauchumfang bemerkbar gemacht haben. Also? Dann stecken wir das Ganze und machen weiter wie letztes Jahr. Das haben Sie auch überlebt.
Das Schöne bei Analogien ist, dass sie einem mit einem Augenzwinkern vermitteln wollen, wo der Schuh meistens drückt. Zwar ist das Horrorjahr 2021 herum, aber die Versorgungsengpässe sind immer noch da und werden weiterhin das beherrschende Thema 2022 bleiben. Das ist die harte Wahrheit.
Sie haben somit zwei Möglichkeiten:
- So weiter durchwurschteln wie letztes Jahr mit Hau-Ruck-Aktionen und vielen Telefonaten und E-Mails oder
- mal versuchen, das Ganze systematisch anzugehen.
Und da hilft es ungemein, den Jahreswechsel als Zäsur zu nehmen, um im Rückspiegel zu betrachten, was alles nicht so toll lief im Managen der Fehlteile für 2021. Die Lessons Learned, die Sie dort mit Ihren Kollegen ziehen, sind meist ein guter Grundstock, es im neuen Jahr besser anzugehen.
Auch empfiehlt es sich, im Vorfeld zu überlegen, welche Ansatzpunkte, ich als Einkäufer in meiner Warengruppe habe. Hierzu lässt sich das Ishikawa-Fischgräten-Diagramm wunderbar nutzen.
Mit dieser Methodik konnten schon über 70 mögliche Maßnahmen gegen Versorgungsengpässe erarbeitet werden, die je nach Warengruppe angewendet wurden. Für das Erarbeiten der richtigen Ansätze in den Commodities habe ich folgenden Tipp: Überlassen Sie dieses nicht dem Warengruppenverantwortlichen alleine, der sich ggf. schnell selbst gerecht wird („Ich hab doch schon alles getan“). Bieten Sie ihm ein Sparring mit den verschiedenen Maßnahmen; zeigen Sie auf, was in anderen Warengruppen erfolgreich gewesen ist. Ggf. nehmen Sie einen zweiten Einkäufer dazu, die sich ggf. gegenseitig befruchten.
In einem Projekt bei einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen wurden über dieses systematische Vorgehen über 200 Ansatzpunkte auf Lieferantenebene erarbeitet, die dann weiterverfolgt wurden. Auch wurde in dem Zuge ein Prozess aufgesetzt, wie mittels einer Best-of-Matrix auch auf Teileebene schematisch bei der Lösungsfindung vorgegangen wurde, damit das Fehlteil doch zum Zeitpunkt (oder leicht verspätet) zur Verfügung steht.
Diese Art des Vorgehens auf Lieferanten- und Teileebene gibt den Mitarbeitern Halt in der systematischen Bearbeitung. Unterstützt wird dies zusätzlich, wenn Sie auch transparent aufzeigen, wie sich die Zahl der Fehlteile entwickelt. In unserer Analogie wäre dies die Gewichtswaage, die anzeigt, dass sich Ihre Mühen beim Joggen mit der Zeit doch lohnen.
Auch hier möchte ich Ihnen den Tipp geben, dass neben dem reinen Messen der Fehlteile es sich empfiehlt, eine ERP-gestützte Auswertung aufzusetzen, in der jeder Mitarbeiter im Unternehmen für seine Belange überprüfen kann, wie es um die so dringend benötigten Fehlteile in der Montage bzw. im Kundenprojekt steht. Dies erspart dem Einkauf viele E-Mails, die er zu beantworten hat, bzw. viel Geduld, die er in Telefonaten mit aufgebrachten Kollegen aufbringen muss.
Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Punkte (Frühindikatoren, Zusammenarbeit mit der Technik etc.), die aber den Artikel hier sprengen würden. Festzuhalten bleibt aber: Systematik hilft nicht nur beim Abspecken, sondern auch bei den Versorgungsengpässen. Gehen Sie es an, damit 2022 ein Jahr wird, auf das Sie gerne zurückblicken.